Markieren - wirklich nur chefsache?

Oft werde ich im Rahmen der Verhaltensberatung gefragt, ob man seinen Hund markieren lassen soll, oder nicht? Denn eigentlich ist das ja Chefsache, und hat was mit Dominanz vom Hund gegenüber seinem Herrchen zu tun. Aber ist das wirklich so? Will der Hund seinen Menschen dominieren, mit dem Ziel das Alphatier zu werden? Ich sage: Nein!

Woher kommt die Mär das Markieren reine Chefsache ist? Früher wurde begründet, das in einem Wolfsrudel ja auch nur das Alphatier markieren dürfte. Aber gibt es DAS Alphatier im RUDEL überhaupt? Um das zu verstehen, müssen wir zuerst überlegen, woraus besteht denn so ein Rudel? In der Regel besteht ein Wolfsrudel aus 2 Elterntieren, den Jungtieren aus diesem Jahr, und bei guter Beute auch den Jungtieren aus dem Vorjahr. Diese verlassen in der Regel den Familienverband mit 1,5 Jahren.

Familienverband, denn das ist es, was viele immer noch als Rudel mit Hierarchischer Struktur bei Wölfen bezeichnen. Dabei ist man heute doch eigentlich schon viel schlauer. Und in einem Familienverband gibt es Eltern und Kindern. Da ist keine starke Hierarchie, bei der die einzelnen Individuen sich gegenseitig und ständig dominieren wollen, um den höchsten Rang zu ergattern. 

So ist es auch bei unseren Haushunden. Sie wollen den Menschen nicht dominieren. Sie möchten ein sicheres Leben, in einem sicheren Umfeld mit gut einschätzbaren Sozialpartnern. Diese müssen sich aus Hundesicht aber auch logisch verhalten, und es ist nicht logisch vom markieren abgehalten, oder dafür sogar bestraft zu werden. Viele Haltern von mehreren Hunden glauben auch, das immer der Älteste Hund der Gruppe derjenige ist, der am Ranghöchsten ist. Immerhin ist er der letzte, der eine Stelle markiert. Aber ist er deswegen automatisch der "Ranghöchste"? Oder ist er aufgrund seines Alters und seiner damit einhergehenden langsameren Geschwindigkeit vielleicht einfach nur der letzte der an dieser Stelle angekommen ist zum markieren? 

In einer Wolfsfamilie markieren übrigens grundsätzlich immer ALLE Mitglieder. Denn das ist schlau. Es zeigt Eindringlingen im Revier wie groß der dort lebende Familienverband ist. 

Markieren alle, dann wird Gruppenstärke und der Zusammenhalt nach außen gezeigt. Markieren ist bei unseren Haushunden über die Jahrhunderte hinweg ein ritualisiertes Verhalten geworden. Es ist normal, es ist in Ordnung. Es gibt ein gutes Gefühl, es macht Selbstbewusst. Markieren ist kein automatischer Grund für Aggressionen. Selbstbewusstsein versetzt unsere Hunde aber in die Lage, in verschiedenen Situationen ruhig und ausgeglichen zu agieren und reagieren. 

Wenn sie gerne mehr zu diesem Thema erfahren möchte, zögern sie nicht mich anzusprechen. Ich berate Sie gerne. 


Quelle: T. Riepe
Buch: Einfach Hund sein dürfen